Auch nach 20 Jahren Verhandlungen - EU kuscht vor den Bush-Boys: Amerikaner d?rfen weiterhin ?Champagner" produzieren

In ihrem permanenten Kampf gegen die Werte des Alten Europas hat die forsche Öl- und McDonald's-Fraktion im Weißen Haus einen wichtigen Etappensieg errungen: Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben nach 20 Jahren immer wieder unterbrochener Verhandlungen gerade ein Abkommen über den Handel mit Wein geschlossen, bei dem die „Schlechte-Geschmack-Fraktion" auf beiden Seiten des Atlantiks eindeutig als Sieger hervorgegangen ist. Geschenkt, dass die EU-Kommission die Vereinbarung als großen Fortschritt verkauft, weil so „die Weinnamen der EU" geschützt werden und gleichzeitig dafür gesorgt werde, daß der „größte und wichtigste Absatzmarkt der EU für Wein erhalten" bleibe. Aber: Das Ganze ist derart schwammig formuliert, daß in Napa Valley auch weiterhin Sprudelwasser hergestellt werden darf, der als Champagner unters Volk gebracht wird.

Nach diesem Abkommen wird die US-Regierung dem Kongress einen Vorschlag vorlegen, nachdem die Verwendung von EU-Weinnamen, die derzeit in den USA als Pseudo-Gattungsbezeichnungen gelten, erst nach weiteren Verhandlungen eingeschränkt werden sollen. Bei diesen so genannten „Pseudo-Gattungsbezeichnungen" handelt es sich immerhin um so ehrwürdige Titel wie Burgunder, Chablis, Champagner oder Chianti. Auch Bezeichnungen wie Moselle oder Rhin dürfen weiterhin auf amerikanischen Etiketten prangen. Außerdem können die USA für einen längeren Zeitraum 14 traditionelle EU-Begriffe verwenden. Diese sind: Château, classic, clos, cream, crusted/crusting, fine, late bottled vintage, noble, ruby, superior, sur lie, tawny, vintage und vintage character.

Besonders absurd ist, daß die EU im Gegenzug die derzeit in den USA zulässigen Weinbereitungsverfahren anerkennt: Beispielsweise jede Menge Holzchips in den Rotwein. Außerdem dürfen dort bis zu 25 Prozent anderer Rebsorten in den Wein, als auf dem Etikett vermerkt - etwa beim berühmten „sortenreinen" Chardonnay - und natürlich darf der Wein auch mit bis zu sieben Prozent Wasser „angereichert" werden.

Hintergrund dieser Eingeständnisse ist, daß die EU jährlich Weine im Wert von 2,3 Milliarden US-Dollar in die USA exportiert, die USA aber nur für 487 Millionen US-Dollar Wein in die EU. Diese unausgeglichene Bilanz ist bisher sämtlichen US-Regierungen ein Dorn im Auge gewesen - nicht nur den Bush-Boys, vor allem war es die patriotische Clinton-Administration, die ausländische Weine aus dem Keller des Weißen Hauses verbannte und ihre Gäste mit Napa-Wein beglückte.

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