Weinlese 2003 in der Champagne: Wie im Jahr 1822

Normalerweise beginnt die Weinlese in der Champagne Anfang oder Mitte September, aber dieses Jahr ist alles anders: Schon am 21. August wurden in der Côte des Bar die ersten Trauben gelesen, der Rest der Region folgte am 25. August. Eine derart frühe Weinlese gab es zuletzt 1822. Charakteristisch für dieses Jahr ist eine sehr kleine Ernte, bedingt durch Hagel und Frost im Frühjahr. Die Winzer gehen mehr oder weniger von einem - im Vergleich zu den normalen Bedingungen in den Jahren zuvor - halben Ernteertrag aus.

So frühzeitig die Lese auch begann - zu 90 Prozent ist sie am 6. September abgeschlossen, hineinziehen wird sie sich wahrscheinlich bis in den Oktober: An einigen im Frühjahr beschädigten Stöcken wächst das Traubengut langsam nach, so daß noch in einem Monat geerntet werden kann. Also viel Aufwand für einen kleinen Ertrag. Offiziell wurde der allerdings selten erreichte Ernte-Höchstertrag auf 11.400 Kilo Trauben pro ha festgelegt.

Die Qualitäten der Grundweine können die Kellermeister und Winzer natürlich erst nächstes Jahr im Januar oder Februar endgültig beurteilen; aber schon jetzt fallen die extremen Unterschiede zwischen Alkohol und Säure auf. Üblicherweise suchen die Kellermeister ein Gleichgewicht von Alkohol und Säure: Der potentielle Alkoholgehalt der geernteten Trauben soll am besten zehn Volumenprozent betragen, die Säurewerte sollen im Durchschnitt bei 9,5 bis zehn Gramm pro Liter liegen. Dieses Jahr hatten die Grundweine schon sehr früh einen sehr hohen Zuckergehalt - der potentielle Alkoholgehalt der Trauben betrug zehn Volumenprozent. Die Säurewerte lagen zwischen fünf bis sechs Gramm pro Liter. Man kann also absolut nicht, wie in anderen Weinanbaugebieten, von einem Jahrhundertjahrgang sprechen.

Der sogenannte Richtpreis lag bei 4,25 Euro pro Kilo Trauben für Grand-Cru-Lagen (letztes Jahr: 4,10 Euro).
Da die Champagne in den letzten Jahren eine sogenannte qualitative Sonderreserve von über 140 Millionen Flaschen aufgebaut hat, wird es trotz der geringen Ernte vorraussichtlich zu keiner Spannung kommen, die sich auf die Preise auswirken. Allerdings sind einige Crus in der Côte des Blancs mit ihren berühmten Chardonnay-Trauben besonders hart von den Verlusten getroffen.

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