GÖLDENBOOG'S CHAMPAGNE-TIP: KLUGE LIEBESPÄRCHEN TRINKEN NIE CHAMPAGNER

Champagner: Man trinkt ihn gut gekühlt, zwischen sieben und zwölf  Grad. Alles andere würde die Frische, die Schaumentwicklung, das Prickeln der Kohlensäure abtöten. Frauen trinken ihn mit Zurückhaltung, in kleinen Schlucken, Gaumen und Geschmacksnerven angespannt. „CHAMPAGNER: Der Rausch muss die Gäste in dem Augenblick ergreifen, wo die Korken springen; man gerät außer sich“, notierte Gustave Flaubert irgendwo zwischen Blutwurst und Nasenloch in seinem Wörterbuch der Gemeinplätze. Tatsächlich sollte man nicht schon beim Öffnen der Flasche außer sich geraten. Später vielleicht, dies ist erlaubt. Im Allgemeinen verlangt das Öffnen einer Flasche Champagner höchste Konzentration, dabei sollte auch niemand seinem großen Vorbild James Bond nacheifern. Als klassische Banausen gelten Fußballer und Formel-1-Piloten, die bei Siegerehrungen Champagner aus Magnum-Flaschen sinnlos in die Menge spritzen. Ist der schäumende Wein einmal im Glas, gilt unsere Aufmerksamkeit seinen Perlen. Aus allen Perspektiven, aus allen Lagen. Vor allem beim Vorspiel fördert das ungezwungene Beobachten der Kohlendioxidblasen die Atmosphäre auf der Couchkante. Von oben sollte man in den Champagner schauen, dann sekundenlang von der Seite, das Glas gegen die indirekte Beleuchtung haltend. Gerät die Konversation einmal aus unerfindlichen Gründen ins Stocken, eröffnet das exakte Zählen der Bläschen neue, ungeahnte Möglichkeiten des Flirts. Und wenn die Blasen zur Oberfläche vorstoßen und sprühnebelartig aufplatzen, kann man häufig ein blaugrünes Schillern beobachten. Für Millisekunden. Die Supraflüssigkeit par excellence. Ein Cocktail voller sich entwickelnder Turbulenzen, Chaos und sich gegenseitig zertrümmernder Kohlendioxidmoleküle. Das Zeichen zum Angriff. Der Connaisseur oder die Kennerin schreiten zur Tat.

 

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