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Tesz

Rosé-Champagner ist so köstlich wie kostbar

Von Christian Göldenboog | Veröffentlicht am 10.08.2009 | Lesedauer: 5 Minuten

  • Champagne Louis Roederer Brut Rosé 2003

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    Champagne Louis Roederer Brut Rosé 2003: Im Frühjahr Fröste, die die Erträge um bis zu 50 Prozent halbierten, dann unerträgliche Hitze im Juni und August. 2003 ist ein ungewöhnlicher Jahrgang, und dieser Rosé ist es ebenso: kräftige eingemachte rote Früchte von Erdbeeren und Kirschen, ein konzentrierter Wein mit langem Nachhall. Einem halb feuchten Schokoladenkuchen könnte er als Begleiter nicht standhalten. Aber einem Sashimi vom Thunfisch schon.

    Quelle: Promo

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  • Champagner Deutz Rosé Williams

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    Champagne Deutz Cuvée Williams Rosé 1999: Kreiert wurde diese Cuvée zu Ehren von William Deutz, dem in Aachen geborenen Firmengründer, der sich 1838 aufmachte, sein eigenes Champagnerhaus zu gründen: Zwei Drittel Pinot noir, ein Drittel Chardonnay, der kräftig-animierende Farbton wird durch die Zugabe von Rotwein aus Aÿ erzielt. Sehr weinig, Aromen eingemachter roter Früchte. Ein fesselnder Champagner, der auch in der Mittagshitze besteht.

    Quelle: PR

  • Champagne Mailly Grand Cru Brut Rosé

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    Champagne Mailly Grand Cru Brut Rosé: Diese Genossenschaft besitzt 70 Hektar Grand-Cru-Lagen, zumeist mit Pinot noir bepflanzt. Dies spiegelt sich auch in diesem jahrgangslosen Rosé wider: Kellermeister Hervé Dantan arbeitet mit der Saignée-Methode und verschneidet 90 Prozent Rotwein mit zehn Prozent Chardonnay. Kraft, Stärke, Frische: ein Rosé-Champagner für die Stunden nach einem langen Arbeitstag. Dazu ein paar Mandeln, getrocknete Mangospalten, mehr nicht.

    Quelle: Promo

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    Champagne Vilmart Cuvée Rubis Brut Rosé: Seit einigen Jahren führt der junge, dynamische Laurent Champs diesen 1890 gegründeten Familienbetrieb in Rilly-la-Montagne und setzt - wie sein Vater - bei der Vinifikation auf große Holzfässer. Seine Cuvée Rubis ist zu 90 Prozent aus roten Trauben komponiert, die Weine lagerten zehn Monate im Fass: komplex, originell, trotzdem sehr gut trinkbar. Als Aperitif, zu Salaten à la niçoise, zu Rühreiern bei einem Gabelfrühstück oder zu einem Fisch.

    Quelle: PR

Gibt es einen Wein, der erregendere Gefühle auslöst als Rosé-Champagner? Endorphine, Glückswallungen, Serotonine, freudiges Erwarten – ein Rosé führt geschmacklich und farblich eine Attacke auf die Gefühlszentren unseres Gehirns. Das Treffen des gewünschten Farbtons ist allerdings nicht ganz einfach.

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Beim Trinken des Rosé-Champagner schaut man konzentriert ins Glas, um die teuren rosa Bläschen zu beobachten, die zur Oberfläche vorstoßen, um dort sprühnebelartig aufzuplatzen und in ihrem Dunst vor allem Vorfreude auf das Genießen zu verströmen. Ein Rosé-Champagner ist so der perfekte Aperitif, ein idealer Begleiter für ein Rendezvous oder schlicht ein apartes Geschenk.

Zuletzt war Rosé-Champagner derart beliebt, dass einige der großen Häuser in Reims und Épernay ihre Auslieferungen stoppten. 15 Monate muss ein jahrgangsloser Champagner mindestens für die zweite Gärung lagern, seriöse Hersteller lassen die Flaschen drei Jahre auf der Hefe. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, ruhen die Flaschen erst einmal im Kreidekeller. Rosés sind also eine Besonderheit, immerhin betrug 2008 ihr Anteil am Champagnerexport nach Deutschland bei offiziell über einer Million Flaschen 9,54 Prozent, 2006 waren es nur 5,7 Prozent.

Doch sein Wert wird nicht allein durch Seltenheit begründet. „Der Rosé-Champagner ist der Wein, der am schwierigsten zu komponieren ist“, sagt Jean-Baptiste Lecaillon, Kellermeister des renommierten Champagnerhauses Louis Roederer. „Ein guter Rosé sollte elegant sein und eine Sensation auf der Zunge entfachen. Er muss weinig sein, also konzentriert und strukturiert. Die Assemblage für einen weißen Champagner, das Komponieren der Grundweine zu einer harmonischen Cuvée, ist schon sehr schwierig. Bei einem Rosé müssen wir zudem die gewünschte Farbe treffen. Dies stellt eine immense Herausforderung dar.“

Wie man den gewünschten Farbton erzielt

Die Champagne ist das einzige französische Weinanbaugebiet, in dem ein Rosé-Qualitätsschaumwein durch Verschneiden von Weiß- und Rotwein hergestellt werden darf: Einer Assemblage aus weißen Grundweinen können bis zu 20 Prozent Rotwein hinzugefügt werden. Mit dieser Technik lässt sich am besten der gewünschte Farbton erzielen, daher arbeiten die meisten Kellermeister mit dieser Methode. Die zweite Möglichkeit besteht in einer kurzen Mazeration: Fruchtfleisch und Haut der Pinot-noir- oder Pinot-meunier-Trauben werden zu einem Brei gequetscht, was innerhalb von 48 Stunden zur Extraktion der Farbsubstanzen führt. Bekanntlich ist das Fruchtfleisch roter Trauben weiß, die Farbe steckt in den Schalen. Die Kellermeister sprechen von der Saignée-Methode, vom französischen Verb „saigner“ für bluten.

All dies ist nicht einfach zu bewerkstelligen, aber Monsieur Lecaillon mag es noch komplizierter: Für seine beiden Rosé-Champagner – den Brut Rosé und den äußerst raren Cristal Rosé – kommen die roten Pinot-noir-Trauben direkt nach der Ernte in einen Tank, um so viel Farbe und Frucht wie nur möglich zu extrahieren; nach zehn Tagen werden dem Ganzen Hefen zugesetzt, nach weiteren zwei Tagen wird der Wein ohne Haut und Traubenkerne für die alkoholische Gärung in einen neuen Tank überführt. Später wird dieser Rotwein mit Chardonnay-Grundweinen vermählt. Die Bemerkung, von dieser Methode noch nie gehört zu haben, kommentiert Lecaillon mit einem flüchtigen Lächeln. Dann macht sich Stolz auf seinem Gesichtsausdruck breit. Er fügt hinzu: „Diese Methode ist typisch roederisch. Wir haben kein Rezept. Wir mögen auch nicht das machen, was all die anderen auch machen.“

Eine weitere Roederer-Besonderheit ist, dass ein bestimmter Anteil der Weine in großen Holzfässern lagert. Es ist Mitte Mai, und wir stehen in seinem Labor, in dem seit September 2008 an der Vermählung der verschiedenen Grundweine gearbeitet wurde. Vor uns stehen zwei Karaffen mit der Assemblage für den Brut Rosé 2008 sowie den Cristal 2008 Rosé. Gerade erst sind diese Weine für die zweite Gärung auf die Flaschen abgezogen worden, um sehr lange ungestört in den Kreidekellern des Hauses zu lagern – fünf für den Brut Rosé, sieben für den Cristal.

Jahrelang wurde Rosé-Champagner belächelt

Für einen exzellenten Rosé-Champagner benötige man, so Lecaillon, einen hohen Weißweinanteil: Werden dem Rotwein aus Cumières für den Brut Rosé 30 Prozent Chardonnay zugefügt, so sind es bei dem äußerst raren Cristal sogar 40 Prozent; der Rotwein stammt aus der berühmten Lage Aÿ. Das Treffen des gewünschten Farbtons sei sehr kompliziert, erklärt Lecaillon: „Wir haben eine Idee, wie er sein sollte.“ Nicht Rot, sondern blasses Rosé will der Meister. Die Weine in den beiden Karaffen sind ziemlich rot. Diese kräftige Farbe, so Lecaillon, gehe aber nach der zweiten Gärung stark zurück, was er natürlich in seiner Arbeit berücksichtigen müsse.

Jahrelang wurde Rosé-Champagner von den männlichen Weintrinkern eher belächelt. Derartiges tranken oder trinken die wahren Kenner nie, und so darf der weltweite Rosé-Trend als Anzeichen interpretiert werden, dass das gesellschaftliche Umfeld femininer geworden ist. Frauen hätten einfach ihre Wünsche geäußert. Lecaillon sieht die Sachlage noch einmal anders: Vor allem in den angelsächsischen Ländern gebe es eine neue, jüngere Generation von Weintrinkern, die relaxter als die altbewährten Connaisseurs aufs Glas schaue.

„Champagner und andere große, berühmte Weine“, so Lecaillon, „werden im Allgemeinen als etwas für Connaisseurs oder ältere Menschen angesehen.“ Den Rosés wurde selbst seitens der Sommeliers keine Beachtung geschenkt.

Die Begegnung mit einem Rosé-Champagner, so der Kellermeister, funktioniere auch über den Blick: „Ich habe die Theorie, dass wir in einer Gesellschaft leben, die in den letzten 40 Jahren vergessen hat, dass der Blick einen Sinn repräsentiert. Aber dieses genießerische Erfassen mit dem Auge entdecken die Menschen nun wieder.“

Ein weiteres Argument für die Popularität des Rosé-Champagners liefert Lecaillon mit der Qualität seiner Produkte: Der Roederer Brut Rosé 2003 präsentiert sich im Glas sehr konzentriert und weinig, der Cristal Rosé 2002 ist eher zurückhaltend strukturiert: ein seltener Champagner, der ein Feuerwerk roter Fruchtaromen zündet. Nach dem ersten Schluck wird die Zunge extrem unruhig, um sich dann mit jedem Schluck tiefer in einen Taumel der tausend Launen locken zu lassen.

Der Autor ist unter anderem Verfasser des Handbuchs „Champagner“ bei Klett-Cotta. Dieses Buch bei Amazon bestellen...

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