Mit dem Ovipositor gegen den Wein: Drosophila suzukii

Fruchtfliegen sind nicht nur ein beliebtes Labortier der Genetiker, sondern in der Natur weit verbreitet: Allein auf Hawaii sind 800 unterschiedliche Arten gezählt worden, in Europa ungefähr 50. Ein Charakteristikum dieser Tiere ist, dass sie für menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft unverfänglich sind, da sie ihre Eier zumeist an gärendem oder faulendem Obst ablegen. Sie vergreifen sich also nicht an gerade reifenden Beeren, es sei denn, deren Haut ist etwa durch Pilzbefall schon beschädigt. 1916 wurde erstmalig in Japan eine Fruchtfliegenart beobachtet, deren Lebensgewohnheiten in auffallendem Kontrast zu den herkömmlichen Arten stehen. Mit Hilfe einer speziellen Eilegeapparatur attackierte die Fliege bis zu 75 Prozent der Kirschernte, dass ab 1930 großflächig Insektizide zum Einsatz kamen. Das Tier, seine Länge liegt unter vier Millimeter, erhielt den Namen Drosophila suzukii oder Kirschessigfliege, wird inzwischen auch als spotted wing drosophila, SWD, bezeichnet, da die Männchen durch einen charakteristischen kleinen, dunklen Fleck an der Stirnseite nahe der Spitze eines jeden Vorderflügels zu erkennen sind. Die Fliege verbreitete sich recht zügig in China, Korea, Pakistan und Thailand. In Europa wurden weder Suzukii noch Datenbanken oder Publikationen über sie in asiatischen Wissenschaftsjournalen beachtet. Daran änderte sich auch nichts, als sie 1980 erstmalig in Hawaii gesichtet wurde. Große Aufregung herrschte, als sie 2008 an Kaliforniens Pazifikküste in großem Ausmaß Erdbeeren und Cranberrys angriff; anfangs wurde sie häufig mit anderen Fruchtfliegenarten verwechselt; es folgten Italien, Spanien, Frankreich: In 2010 etwa kam es in der Region Alpes-Maritimes teilweise zu einem 80-prozentigem Verlust der Erdbeerernte.

Mehr dazu, vor allem über die Bedeutung des sogenannten Ovipositors oder Eilegeapparates der Fliege, findet sich im aktuellen Heft der Zeitschrift FINE.

 

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