Fermentation und G?rungsprozesse in Seoul - Wird die Liebe zum Kohl das geteilte Korea wiedervereinigen? Heute im Stil-Teil der Welt am Sonntag

Eigentlich wurde ich von der Welt am Sonntag um die Erforschung der aufkeimenden Weinindustrie Südkoreas gebeten. Vor Ort entdeckte ich stattdessen das würzige Kraftwerk koreanischer Gefühle. Von der Sojabohne bis zum Chinakohl: Alles in Gärung begriffen. Außerdem entdeckte ich beim Seoul Gourmet Festival diverse europäische Top-Küchenchefs; einer von ihnen, Michel Troisgros, Dreisternekoch aus Roanne, fasste die vorherrschende Meinung unter seinen Kollegen über die Exportchancen von Kimchi, also Korea-Kohl, mit den Worten zusammen: "Dann müssen Sie aber aufhören, ständig über Fermentation zu reden. Das ist nicht sexy." Natürlich ist das Unsinn. Es gibt kaum etwas, was "more sexy" wäre als echte Gärungsprozesse. Ich sage nur: Champagner, ein Wein, der gleich zwei Gärungen durchläuft. Außerdem: Dort, wo es fermentiert und gärt, passiert immer etwas. Im Kohl, im Wein, im richtigen Leben. Fermentation verträgt keine Langeweile. Gut, daß Ken Moroi, Chef von Champagne Vranken-Pommery Monopole Japan, mit einigen Flaschen aus Tokio nach Seoul kam: Pommery Brut Royal präsentierte sich fast 9.000 Kilometer von seinem Entstehungsort entfernt süffig und, wie das Dunkelgelb im Glas andeutet, bestens gereift. Fazit: Gärungen im Glas oder auf dem Teller machen das Leben. Außerdem verrät der Artikel den Namen jenes Restaurants, in dem ich die bisher beste Schweineschulter serviert bekam. Natürlich mit Kimschi.

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