Verwirrung über Champagner - Discours Önologie Champagne ist dringend geboten

 

Die Champagne-Leute können eine lustiges Völkchen sein: Feiern, feiern, feiern lautet nun seit  Jahrzehnten ihre bevorzugte Kommunikationsstrategie, und ansonsten sind die dargebotenen Offenbarungen doch eher simpler Art. So geisterte beispielsweise seit September 2009 die Behauptung durch die internationale Presse, daß die Erntemenge für dieses Jahr auf 9.700 Kilogramm Trauben pro Hektar festgelegt worden sein. Gängiges Motto dabei war die Überschrift „Champagner wird knapp gehalten - Winzer ernten bewusst weniger wegen eingebrochener Nachfrage“, wie es etwa NZZ Online am 4. September 2009 um 15:35 Uhr vermeldete. Tatsache aber ist, daß der zu erntende Höchstertrag – und um den geht es bekanntlich, worum sonst – im Jahr 2009 für die Appellation Champagne 14.000 Kilogramm pro Hektar betrug. Daß dabei auch ein kompliziertes System sogenannter „individueller Sonderreserven“ berücksichtigt werden mußte, ändert erst einmal nicht Prinzipielles an dieser Zahl: In der Tat wurden von diesen 14.000 Kilogramm sofort nur 9.700 Kilogramm freigegeben. Im Jahr 2008  betrug der Höchstertrag – also jener Ertrag, der man ernten konnte, über dessen Limit hinaus man also die Trauben an den Rebstöcken hängen lassen mußte – 15.500 Kilogramm. Mit anderen Worten: Jeder erzählt und schreibt was er will, und daher ist ein Discours œnologie Champagne dringend geboten. Auch den Winzern der Champagne – sie gerieren sich gerne als die wahren Hüter des Terroirs – würde etwas mehr Redlichkeit in der Kommunikation anstehen: Es hat Jahre gegeben, da hätte der Durchschnittsertrag vieler Parzellen mühelos 20.000 Kilogramm pro Hektar übersteigen können. Aber die Winzer leben vom Verkauf der Trauben, und so gelten Quantitäts- bzw. Qualitätsüberlegungen nicht immer als erste Wahl. Angesichts des derzeitigen Tohuwabohus im Verband der Champagne-Winzer – der komplette Vorstand mußte im Dezember 2009 aufgrund eines Vertrauensentzugs seitens der Mitglieder zurücktreten,  scheint auch hier keine Besserung in Sicht. 

 

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