Discours Önologie Champagne- Außergewöhnlich viel Sonne im August : Hervé Dantan von Champagne Mailly Grand Cru über die Lese 2009

FRAGE: Wie verlief zu Beginn des Jahres 2009 das Wachstum der Pflanzen?
DANTAN: Der Winter 2009 war sehr kalt, exakter: Er lag 1,8 Grad Celsius unter den Durchschnittstemperaturen der letzten zehn Jahre. Dies freilich blieb ohne Auswirkungen auf die Weinberge. Dagegen hatten wir in der Champagne einen recht warmen Frühling; im Vergleich zum Mittel der letzten 30 Jahren lag hier die Temperatur um 1,9 Grad Celsius höher. Daher traten dieses Jahr auch keine Frühlingsfröste auf. Der Austrieb erfolgte am 10. April für den Chardonnay, für den Pinot noir am 14. April. Schon die Situation im April versprach ein gutes Erntepotential.

FRAGE: Wann setzte die Blüte ein und wie reiften die Trauben?
DANTAN: Am 11. Juni standen die Chardonnay-Reben in voller Blüte, der Pinot noir am 14. Juni. Das launische Wetter führte aber zur Verrieselung von Trauben und bemerkenswerten zeitlichen Unterschieden in den Reifephasen zwischen einzelnen Parzellen. Die Reifephase begann für den Chardonnay am 3. August, für den Pinot noir am 6. August. Während dieses Monats wurde eine Sonneneinstrahlung gemessen, die 43 Prozent über dem Durchschnitt lag. Dies stellt eine der exzeptionellsten Zahlen der Ernte 2009 dar. Zusammen mit den Jahren 1976 und 2003 war 2009 die Sonneneinstrahlung die stärkste der letzten 50 Jahre. Demzufolge gab es auch kaum Niederschläge, diese betrugen gerade einmal ein Viertel der Normalwerte. Alles in allem war der Monat August heiß, trocken und sonnig, es herrschte ein hochsommerliches Wetter vor, wie wir es vom Jahr 2003 her kannten. Zügig entwickelte sich die Reife der Trauben, mit einer permanenten Anreicherung von Zucker, während sich gleichzeitig die Säure gut hielt. Einzigartig war die Gesundheit der Trauben. Bemerkenswerterweise führte dieses Wetter zu keinem Trockenstreß, die Wurzeln der Reben zogen genügend Wasser aus den Böden. Besonders grün waren die Blätter der Reben.

Die erste Septemberwoche verlief dann kühl und regnerisch; das frische Wetter bremste die weitere Reifung der Trauben ab. Dann kehrte die Sonne bis Ende September zurück. Die Alkoholwerte sind daher exzellent, 10,2 Volumenprozent sowohl beim Chardonnay als auch beim Pinot noir. Auch die Säurewerte hielten sich auf einem guten Niveau. Die Lese endete bei uns für den Pinot am 21. September, für Chardonnay am 23. September.

FRAGE: Unter welchen meteorologischen Bedingungen fand die diesjährige Lese statt. Wie lange dauerte sie?
DANTAN: Während der fünfzehntägigen Ernte waren die Wetterbedingungen ideal.

FRAGE: Welche Besonderheiten gab es im Vergleich zu den Jahren davor?
DANTAN: Der Jahrgang 2008 war schon ein hervorragender Jahrgang, der aber unter sehr chaotischen Bedingungen und unter völlig anderen klimatischen Bedingungen wie 2009 zustande kam. In 2008 erfolgte der Austrieb recht spät, am 20. April, und wir hatten einen übelgelaunten Sommer mit regelmäßigen Regenpassagen und einer schwachen Sonneneinstrahlung - eine der schwächsten seit 1980. Glücklicherweise wurde es im September trocken und sonnig, so daß das Rebgut vollkommen ausreifen konnte und in gutem Zustand war. Auch 2009 hatten wir ausgereifte und gesunde Trauben. Für mich liegt der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden Jahrgängen im Säuregehalt. Die Frische des Sommers 2008 führte zu einer hohen Säure im Most, die Grundweine waren daher durch eine bemerkenswerte Frische charakterisiert - ich denke dabei automatisch an 1988 oder 1996, selbst wenn der Säuregehalt in 2008 niedriger als im Ausnahmejahr 1996 war. Im Jahr 2009 führte der heiße und trockene Sommer zu einer vollkommenen Zuckerkonzentration. Aber im Gegensatz zu 2003 bewahrten die Wasserreserven der Böden die Reben vor Trockenstreß. So konnte die für einen Champagner wichtige Säure bewahrt bleiben, was 2003 nicht der Fall war. Die Säurewerte 2009 waren aber niedriger als 2008 und sind vergleichbar mit jenen der „heißen" Jahrgangs 1982 und 1989.

FRAGE: Gab es Probleme mit dem Grauschimmel Botrytis cinerea?
DANTAN: Nein, das Rebgut war in einem perfekten, gesunden Zustand.

FRAGE: Wie viele Trauben hingen an den Rebstöcken? Wieviel Gramm wog eine Traube? Wie viele Trauben pro Rebstock wurden geerntet?
DANTAN: Elf Trauben auf einen Quadratmeter, die Gewichte variierten je nach Parzelle beziehungsweise dem Datum der Blüte.

FRAGE: Wie beurteilen sie den durchschnittlichen Hektarertrag?
DANTAN: Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar betrug für Mailly Grand Cru
10.000 Kilogramm. Dies ist weniger als 2008, aber für uns immer noch recht zufriedenstellend.

FRAGE: Wie beurteilen Sie die wichtigsten Analysewerte wie den mittleren potentiellen Alkoholgehalt und den Säuregehalt der Trauben?
DANTAN: Der alkoholische Durchschnittswert betrug sowohl beim Chardonnay als auch beim und Pinot noir 10,2 Volumenprozent. Auch die Säurewerte waren gut, freilich niedriger als 2008 und eher vergleichbar mit den Säurewerten heißer Jahrgänge wie 1982 und 1989.

FRAGE: Wie ist der erste Eindruck der Moste, und was erhoffen Sie sich von der anstehenden Verkostung der Grundweine?
DANTAN: Ich bin nach den Verkostungen der ersten Grundweine sehr beeindruckt. Sie lassen eine exzellente Qualität des 2009er Jahrgangs erahnen. Für mich ist der 2009er ein Jahrgang der Sonne, die Grundweine sind fein. Vor allem unsere Pinots sind expressiv, füllig, rund und brillieren durch eine große Länge. Die Chardonnays sind mineralisch. Natürlich müssen wir sehen, wie sich die Grundweine in den nächsten Monaten entwickeln, aber alles deutet auf einen sehr guten Start hin. Gerne wage ich schon in diesem Stadium einen Vergleich: Der 2009er weist dank seiner Aromen für mich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Jahrgang 1989 auf.

 

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