DIE ZEHNTE GREMIUMSSITZUNG IM AUGUST 2008: CHAMPAGNE DEUTZ AUS AY

Ein kleines, aber sehr renommiertes Champagner-Haus - so wurde Champagne Deutz über die Jahrzehnte hinweg bei Kennern gehandelt. Ein wohlklingender Name, sicherlich, aber der lange Nachhall des Wohlklangs kann irgendwann einmal absterben. Auch Champagne-Häuser sind gefordert, permanent an der Qualität ihrer Cuvées zu feilen. Die schlichten Fragen, die sich das Gremium an diesem Septemberabend daher stellte, lauteten: „Sind die Champagne von Deutz trinkbar?" und „Ist ein Deutz-Stil erkennbar?

Wie viele andere Maisons, so wurde Deutz im 19. Jahrhundert von Deutschen gegründet. Aus Aachen kam Pierre Gelderman nach Aÿ, um für Bollinger, 1829 von dem gebürtigen Württemberger Jacques Bollinger gegründet, als Verka ufsstratege die Umsätze auf dem deutschen Markt anzukurbeln. Wilhelm, auch William genannt, Deutz, auch in Aachen geboren, war in Aÿ, um für eine deutsche Sektfirma Grundweine aus der Champagne zu kaufen. 1838 gründeten Deutz und Geldermann das Champagner-Haus Deutz. Später heirateten beide zwei Champagner-Damen, einen von ihnen, die Frau von William Deutz, brachte als Mitgift einen Weinberg in die Ehe. In der zweiten Generation vermählten sich Alfred Geldermann und Marie Deutz. Die deutsch-französische Zusammenarbeit führte später auch zur Gründung der Sektfirma «Deutz & Geldermann» im badischen Breisach. Das Haus blieb im Besitz der Gründernachkommen, bis 1993 das Champagner-Haus Louis Roederer die Kontrolle an Deutz übernahm. 

Wer jemals im Salon der Maison in Aÿ gesessen hat, umgeben von erlesenem Geschmack, zusammen mit dem Kellermeister, dem Mobiliar aus dem letzten Jahrhundert, umrahmt von impressionistischen Gemälden mit den Porträts der Firmengründer, dem wird das bürgerliche Selbstbewußtsein aufgefallen sein, mit dem man sich hier in der Welt des Weins eingerichtet hat. Die Welt des Weins als geistiges Dasein: Deutz ist Tradition, die zur Reflektion verpflichtet. So hieß es früher einmal.
Und heute?

Das Gremium degustierte fünf Deutz-Champagne - wie immer blind:

CHAMPAGNE DEUTZ BLANC DE BLANCS 1998
CHAMPAGNE DEUTZ BRUT CLASSIC
CHAMPAGNE DEUTZ BRUT 1998
CHAMPAGNE DEUTZ CUVEE WILLIAM DEUTZ 1996
CHAMPAGNE DEUTZ AMOUR DE DEUTZ 1998

1. CHAMPAGNE DEUTZ BLANC DE BLANCS 1998
„Ahh, Zitrus", bemerkt ein Tester und nimmt gleich einen weiteren Schluck dieses Weines. Was für eine Überraschung, was für ein Einstand. Eine klare schöne Zitrusfrucht ist in der Tat sofort am Gaumen erkennbar, verbunden mit Struktur und harmonischer Komplexität. Zitrus bei einem Champagner, so die einhellige Aussage, sei eine eindeutige Ansage. Ein am Gaumen frischer Chardonnay-Champagner, dessen Alter sich dezent in der Nase bemerkbar macht. Fazit: Dieser Blanc de Blancs ist sehr animierend zu trinken.

2. CHAMPAGNE DEUTZ BRUT CLASSIC
Der Brut Standard dieses Hauses, also jene Cuvée, mit der 90 Prozent des Umsatzes gemacht wird, evoziert eine Diskussion. Während ein Tester eine Süße ausmacht, die einem Champagner nicht ansteht, preist ein anderer diesen Wein ob seiner Ausgewogenheit und seiner Mandel-Aromen. Die Diskussion beschäftigt uns sehr, sehr lange. Womit haben wir es hier zu tun? Zu hohe Dosage, Süßte, zu viel Pinot Meunier? Braucht man das? Ein Kompromiß ist nur schwer in Sichtweite.

3. CHAMPAGNE DEUTZ BRUT 1998
Eine reife Gediegenheit erobert die Augen und die Nase. An der Farbe erkennt man, daß dieser Wein seit der Vinifikation seiner Trauben schon einige Zeit erlebt hat. Dann die angenehme Überraschung: Die frische Säure transportiert mineralische Noten. Die 30 Prozent Chardonnay in der Cuvée schimmern durch. Es fällt die Bemerkung, daß während der zweiten Gärung die oxidativen Noten im Wein zurückweichen und die Aromen sich wieder neu präsentieren. Diese Cuvée illustriert die Stärke der zweiten Gärung. Dazu entwickelt der Wein im Glas dank seines 60prozentigen Pinot-Noir-Anteis Kraft und Toastaromen. Diesen Champagner genießt ein jeder gerne. Seine mineralische Stofflichkeit hallt außergewöhnlich lange nach. Es kommt die Diskussionen auf, wie die Länge im Abgang in den Wein gelangt. Spontan steht keine plausible Antwort zur Verfügung. Es wird beschlossen, dieses Thema demnächst fröhlich-wissenschaftlich anzugehen. Mit welchem Wein: Deutz Brut 1998.

4. CHAMPAGNE DEUTZ CUVÉE WILLIAM DEUTZ 1996
Eine kraftvolle Nase von Stachelbeeraromen bereitet einen gewaltigen Angriff auf unseren Gaumen vor. Dieser Champagner sei ein Brett, kommentiert ein Tester. Brett, dies sei angemerkt, ist der etwas rustikale Gremiums-Ausdruck für einen voluminösen Champagner, von dem selbst wir - jeder für sich genommen - eine Flasche nicht alleine schaffen würden. Dieser William, eine Reminiszenz an den Firmengründer, muß unbedingt zu einem großen Essen serviert werden. Im Gegensatz zum Brut 1998 vermissen wir freilich die Länge. Ein muskulöser Oberkörper, der dann relativ rasch verschwindet.

5. CHAMPAGNE DEUTZ AMOUR DE DEUTZ 1998
Wiederum ein Blanc de Blancs, aber was für ein Vertreter seiner Zunft: „Dieser Champagner haut uns um", lautet das einhellige Sentiment auf diesen Amour. Kristallklare Farbe mit weißgoldenen Reflexen, dezente und frische Aromen von Zitrus und Mandeln in der Nase, geschmeidige Geschmackserlebnisse am Gaumen. Dieser Champagner ist ein großer Wein. Er verleiht Flügel. Er macht euphorisch. Filigrane Säure verbindet sich mit großer Länge. Diese relativ junge Cuvée, die erstmalig mit dem Jahrgang 1993 auf den Markt kam, hat die Klasse, zu den großen Champagnern aufzusteigen. Warten wir ruhig noch einmal zehn Jahre", gibt ein Tester zu bedenken. Niemand weiß, was in zehn Jahren ist. Auch dieser Wein wird sich verändern: Er wird herzhaft, vielleicht mit etwas Schmelz daherkommend. Amour de Deutz 1998, dies ist ein sehr ernstzunehmender Wein. Dazu wünscht man sich als Mann eine geheimnisvolle Frau, die auf der Harfe spielt. Diese Kombination wäre perfekt.

Fazit:
Das Gremium zeigt sich beeindruckt. Das Glück liegt manchmal im Glas. Nicht verborgen, sondern offen in den Perlen. Vor allem der Brut 1998 sowie die Cuvée Amour de Deutz 1998 erweisen sich als sophisticated und gleichzeitig trinkfreudig. So, wie es der Kenner will. Einerseits dominieren die Frische und der Esprit des Chardonnay in den Cuvées, andererseits sind Struktur und Komplexität des Pinot deutlich spürbar. Geschmacklich liegen die Champagne daher sehr Nahe beieinander. Das Gremium beschloß, für diese Cuvées eine neue Kategorie der Weinbeschreibung einzuführen: Champagne Deutz, das ist „Charme und Brett" zugleich.

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