DIE SIEBTE GREMIUMS-SITZUNG: DIE GRAND-CRU-KOLLETKION VON NICOLAS FEUILLATTE

In der Champagne ist das Terroir, wie in jeder anderen wichtigen Weinregion, entscheidend für die Individualität des Weines: das nördliche Klima, der Boden, unter anderem die berühmten Kreideböden und natürlich die Menschen, die Kellermeister und Winzer. Bemerkenswerterweise ist der Champagner der Handelshäuser im Allgemeinen kein Terroir-Wein. Die Kellermeister verschneiden ja ihre Grundweine zu einer harmonischen Komposition, so daß zu guter Letzt die Unterschiede der verschiedenen Lagen nicht mehr bemerkbar sind. Die Flagge des Terroirs in der Champagne halten vor allem die Winzer hoch, und jetzt präsentiert NICOLAS FEUILLATTE, eine in Chouilly ansässige Genossenschaft, eine Liebhaber-Kollektion: Jahrgangschampagner aus den berühmten Grand-Cru-Lagen Ay, Verzy, Ambonnay, Cramant, Chouilly und Mesnil-sur-Oger. Diese Kollektion soll stets in besonders guten Jahren auf den Markt kommen, sie wird in Deutschland auch nicht in allen Ausgaben erhältlich sein - zur Zeit sind es Ay und Cramant. Natürlich wollte das Gremium wissen, wie es um diese Neuerung des bekannten Kellermeisters Jean Pierre Vincent bestellt ist. Wir testeten, wie immer blind, fünf unterschiedliche Lagenchampagner des Jahres 1996. Diese gelten wegen der hohen Säure im Wein als besonders lagerungsfähige Weine.

Das reizvolle war natürlich, daß die Verkoster einmal die Traubensorte herausschmecken konnten - oder auch nicht -, vielleicht aber auch den Namen des Crus. Und dann war da noch die Frage nach dem Jahrgang. Alles in allem kam es zu einer lebhaften Diskussion, und die Tester waren sich - wie so oft - nicht immer einig. Warum auch?

GRAND CRU VERZY BRUT BLANC DE NOIRS 1996
Die Farbe vermittelt rote Töne, sehr volle Frucht, Aprikose, Quitte, Äpfel, eine leichte Überreife wurde festgestellt. Hier handelte es sich eindeutig um einen weißen Champagner aus roten Trauben.

GRAND CRU CRAMANT BRUT BLANC DE BLANCS 1996
Dieser Champagner präsentiert sich verschlossen, mit einer diskreten Nase, grüner Zitrus am Gaumen, sehr klar und stark, mit einer straffen Säure, im Abgang kandierte Früchte. Dieser Champagner vermittelt einen sehr guten Eindruck. Zwei Tester jubeln.

GRAND CRU AY BRUT BLANC DE NOIRS 1996
Eine kräftige Nase, im Gaumen eine ausgeprägte Säure. Dieser Wein präsentiert sich als  kräftiger Bursche. Seine Aromen von Butter und Toast sollen die Tester noch in die  Verzweiflung treiben.

GRAND CRU CHOUILLY BRUT BLANC DE BLANCS 1996
Ein tiefes Gelb funkelt im Glas, schon an Rot erinnernd, ein voller Eindruck in der Nase, kräftig am Gaumen, aber auch schon sehr entwickelt, die Säure bleibt trotzdem präsent. Womit haben wir es hier zu tun?  

GRAND CRU AMBONNAY BRUT BLANC DE NOIRS 1996
Präsente Säure in der Nase, schöne Noten von Birne, Marzipan und roten Früchten im Gaumen, frisch und elegant. Ein Verkoster stellt Jasmin im Gaumen fest und kommentiert: „Dieser Wein überführt jede Lady."

DIE BEWERTUNG:
Das Gremium ist sich einig: Die Champagne aus Cramant und Ambonnay sind in dieser Kollektion die hochwertigsten. „Dieser Wein ist sehr subtil", lautet das Urteil über Cramant, Ambonnay sticht dank eines subtilen, eigenwilligen Charakters hervor. Diesen beiden Champagnern gilt unsere Empfehlung. Glücklich darf derjenige sein, der diesen Jahrgang noch vor sich hat.

Erstaunlich ist bei allen fünf Champagne-Weine deren präsente Säure, wobei es eindeutige Unterschiede in der Entfaltung gibt: Chouilly ist sehr stark entwickelt, da bräuchte man, so ein Kommentar, schon fünf Mitstreiter, um eine solche Flasche an einem Nachmittag zu trinken.

Drei Blanc de Noirs und zwei Blanc de Blancs - aber welche Zuordnung? Je länger degustiert wird, desto konfuser werden die Ansichten (das alte Problem - häufig zahlt es sich aus, bei der  ersten Beurteilung zu bleiben). Was ist das Kriterium für die Rebsorte? Die Farbe sicherlich, aber Choully präsentiert sich visuell wie ein Wein aus Pinot, im Gaumen eher nicht. Und täuscht uns die Nase? Manchmal, denn die Mehrheit der Tester kategorisierte den Ay-Wein  als Blanc de Blancs ein. Auch ein längeres Warten im Glas führt zu neuen Diskussionen: Während der Alterungston bei Chouilly bleibt, wird Ay zu einem Wein, den man gerne mag. 

Am Ende heißt es nur: „Wir geben nicht auf". Blinddegustationen von Jahrgangschampagner sind eine Welt für sich. Erstaunen ruft auch der Jahrgang hervor: 1996. Für fast zehn Jahre alte Champagner präsentiert sich diese Kollektion - außer Chouilly - sehr frisch. Unser Kompliment an den Kellermeister Jean Pierre Vincent. Am Ende dieser bemerkenswerten Degustation taucht die Frage auf: „Sind diese Champagner auch in Magnum-Flaschen erhältlich?"

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