DAS GREMIUM VERKOSTET AUTHENTIS VON DUVAL-LEROY

Hervé Jestin heißt der sympathische Kellermeister des 1859 gegründeten Champagne-Hauses Duval-Leroy in Vertus, das am Ende der Côte des Blancs liegt: Verantwortlich für insgesamt über sechs Millionen Flaschen jährlich, hat sich Jestin den Sinn für das Individuelle bewahrt. Er ist ein Individualist des Weines, ein Mann auf der Suche nach dem Wesen hinter den Ideen. Seit 1982 arbeitet er bei Duval-Leroy und hat sich seit dem, wie er sich selbst charakterisiert, „sehr verändert". Gärung sei für ihn nicht nur eine chemische Operation, und so schreckt er auch nicht davor zurück, seine Gärtanks experimentell mit Musik zu beschallen. Auch hat er unter dem Keller des Hauses Magnete installieren lassen, um das Optimale aus seinen Weinen herauszuholen.  Und so hat das Gremium auch nicht lange gezögert, als ein Anruf von Jestin mit der Frage kam: „Wäre meine neueste Kreation - Authentis - nicht einmal eine Verkostung bei Euch wert?

Natürlich, das Gremium hat so seine Vorlieben - Terroir-Chamapgne gehören dazu. Hinter Authentis verkörpert sich eine Reihe von drei Mono-Cru-Champagner, die jeweils nur aus einer Rebsorte hergestellt wurden. Dabei unter anderem mit Petit Meslier eine Rarität.

Als Aperitif gab es - sozusagen als Einstimmung auf die Arbeit der Tester - einen BRUT FLEUR DE CHAMPAGNE des Hauses: Ein Champagner, der sich immer wieder das Wohlwollen des Gremiums erheischt: Ein kräftiger Wein aus 80 Prozent roter Trauben, aber diese Kraft ist perfekt mit der Säure ausbalanciert. „Überhaupt Balance", charakterisierte ein Tester diesen Wein: Angenehme Bittertöne, die an Mandelaromen erinnern, leichte Erdbeernoten, ein Champagner, bei dem man etwas im Mund hat, der aber trotzdem weich und harmonisch ist. Perfekt zu einem Aperitif oder auch zum Essen. Harsche Kritik hagelte es für das Etikett: „Ähnelt einem Keuschheitsgürtel", war hier noch die positivste Einschätzung.

 Anschließend wurden die drei Authentis-Weine degustiert - wie immer blind:

AUTENTHIS DUVAL-LEROY CUMIÈRES 2000
AUTENTHIS DUVAL-LEROY TRÉPAIL 1998
AUTENTHIS DUVAL-LEROY PETIT MESLIER 1998

AUTENTHIS DUVAL-LEROY CUMIÈRES 2000
Strohgoldene Farbe, komplexer Duft, frische, aber elegante Kraft von Vanille und Trockenfrüchte. Nervig und strukturiert. Nachdem erklärt wurde, daß an diesem Abend drei unterschiedliche Rebsorten degustiert werden, ging die Spekulation los. Ein Tester glaubte fest daran, einen Chardonnay im Glas zu haben. Tatsächlich aber handelte es sich um einen delikaten, säurebetonten Pinot Noir.     

AUTENTHIS DUVAL-LEROY TRÉPAIL 1998

Weiße Früchte, Trockenfrüchte, Brioche, in der Nase wie im Mund. « Ahh, ein Chardonnay-Champagner », sagt ein Tester und natürlich hat er recht. Aber was für ein Chardonnay: Sein intensiver Geschmack, seine goldene Farbe lassen auf einen ungewöhnlichen Herkunftsort schließen: Tatsächlich liegt Trepail in einer Region - den Reimser Bergen - in denen üblicherweise nur rote Trauben angebaut werden. Ein Champagner, den alle Liebhaber von Blanc de Blancs kennen sollten.

AUTENTHIS DUVAL-LEROY PETIT MESLIER 1998

Komplexer Geruchseindruck, ein Geschmack von Butter und Karamell. „Ich rieche und schmecke Leber", lautet ein Kommentar. Aber auch Frische, gepaart mit einer knackigen Säure findet sich im Gaumen wieder. Die dunkelgoldene Farbe des Weines läßt auf rote Trauben schließen, aber sicher ist an diesem Abend nichts. Mehr als nur Erstaunen, als das Geheimnis dieser Rebsorte gelüftet wurde: „Petit Meslier, noch nie gehört", sagt ein Tester. Tatsächlich handelt es sich hier um eine alte weiße Rebsorte, die in der Champagne nur noch auf 20 Hektar angebaut wird; ein bißchen davon im Departement Aube, vor allem aber im Marnetal. Vor dort stammen auch die Trauben für diesen Wein, konkret aus Venteuil. Die Robustheit der Traube erinnert allerdings tatsächlich an Pinot Meunier. Wie alle Weine der Authentis-Serie, so ist auch dieser Meslier im Holzfaß vinifiziert worden - mindestens neun Monate, Spontangärung. Alle Weine haben eine malolaktische Gärung durchgemacht.

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