DIE FÜNFTE VERKOSTUNG (mit Pirat): BLANC DE BLANCS FÜR DEN FRÜHLING - BILLECART-SALMON, FRANCK BONVILLE, DRAPPIER, MENGER KRUG

Kürzlich von jemandem einen Artikel zugeschickt bekommen, mit der Bitte, ihn zu lesen. Eher widerwillig, denn Senilität hat einen Namen, den des Autors: Siebeck - siehe auch dazu die exakte Analyse einer Nobelpreisträgerin und Autorin eines Kochbuches. Ich persönlich an ihrem Text vor allem die Frage: "Der Brief ist lang geworden, lesen Sie eigentlich noch?" Wie auch immer, Wolfram Siebeck versucht sich wieder einmal an Champagner und schlußfolgert zusammen mit seiner illustren Jury in Die Zeit Nr. 53 vom 22. Dezember 2004, „lieber eine gute Flasche Wein zu trinken". Nun, das Gremium ist für derartige Hinweise stets dankbar, öffnen wir doch nach unseren anstrengenden Sitzungen auch gerne schon einmal eine Flasche Grüner Veltliner Maximum 2002 vom Weingut Hiedler aus dem Österreichischen Kamptal, trotzdem, auf Champagner lassen wir so schnell nichts kommen. Vergessen wir daher Siebecks Profi- Hinweis „Nicht so prickelnd" und versuchen tatsächlich einmal in einer Probe, Champagner von Sekt zu unterscheiden, wie immer in einer Champagne-Kategorie verbleibend - diesmal, zum Frühlingsanfang drei Blanc de Blancs sowie einen Piraten: Ein Chardonnay-Sekt aus Deutschland.

Das Gremium bestehend aus Peter Niepagenkemper, Oliver Donnecker, Hartmut Schröter und Christian Göldenboog degustierte - wie immer blind - folgende vier Weine:

  • BILLECART-SALMON BLANC DE BLANCS
  • FRANCK BONVILLE BLANC DE BLANCS BRUT SÉLECTION
  • DRAPPIER BLANC DE BLANCS
  • MENGER KRUG CHARDONNAY SEKT BRUT

1. MENGER KRUG CHARDONNAY SEKT BRUT
2. FRANCK BONVILLE BLANC DE BLANCS BRUT SÉLECTION
Erstaunen ruft der Sekt aus den deutschen Chardonnay-Reben bei den Verkostern hervor: Ein kräftiges Goldgelb im Glas, dazu exotische und würzige Aromen im Mund, ein kräftiger Touch Papaya,  - dieser Sekt - die Trauben stammen alle aus den Weinbergen der Sektkellerei Menger-Krug in Gau-Odernheim, überrascht durch seine gehaltvolle Frucht und Ausgewogenheit. Allerdings: „Ich spüre Anklänge an Chenin Blancs", sagt ein Verkoster, eine Bemerkung, die sofort ein „In der Champagne wird diese Rebsorte nicht angebaut" evoziert.

Es folgt der Blanc des Blancs Champagner auf den Sekt, und siehe da, große Überraschung: Der Champagner ist frisch, aber auch buttrig, elegant, er versprüht exakt jene Zitrusaromen im Gaumen, die der Sekt in Nase hinterläßt. „Der erste Wein verliert gegen diesen an Biß", lautet ein Kommentar, und die übrigen Tester sind der Meinung, dass dieser Bonville den Gaumen öffnet - exakt das, was man von einem Blanc de Blancs erwartet -, zugleich aber mit einem sehr angenehmen, eleganten Körper aufwartet.Herz, was willst du mehr?

3. BILLECART-SALMON BLANC DE BLANCS
4. DRAPPIER BLANC DE BLANCS
„Mit diesem Champagner kann ein Sommelier sehr gut arbeiten", lautete ein spontaner Kommentar zu dem Wein des kleinen, aber feinen sympathischen Hauses Billecart-Salmon. Tatsächlich: Kräftige Farbe, reife Aromen, Komplexität, ein Wein, der Temperatur benötigt, der im Glas etwas warm werden muß, um seinen wahren Charakter zu enthüllen: „Ein reifer Chardonnay-Champagner, ideal zu einem Zander."

Dagegen präsentierte sich der Blanc de Blancs von Drappier aus Urville, einem Cru in der südlichen Champagne, als Limettenduft, der im Gaumen seine volle Frische und Säure verbunden mit weißen Früchten ausspielt. Immer wieder wurden zwischendurch die beiden ersten Weine getestet, zum Abschluß stand fest, daß die letzten drei Weine sich in ihrer Qualität sehr ähnlich seien - „Man beschäftigt sich gerne mit ihnen", während der deutsche Sekt von allen als etwas empfunden wurde, was in eine andere Kategorie hineingehört. Unklar war natürlich, um was für eine Kategorie es sich hier wirklich handelte, vor allem dank seiner weinigen Noten - umso größer die Überraschung, als das Geheimnis des Piraten gelüftet wurde. Trotzdem ein Lob für diesen Chardonnay-Sekt und unsere Empfehlung: Menger-Krug Chardonnay paßt hervorragend zu Spargel. 

 Der Winzer sei der Sieger, bemerkte zu guter Letzt ein Gremiumsmitglied, nach dem alle Flaschen zu einem Tafelspitz mir delikatem Wirsinggemüse geleert wurden. Kein großer Widerspruch. Franck Bonville steht auf dem Etikett, das Gut in Avize wird heute von Gilles Bonville geführt, es besitzt insgesamt 15 ha Rebfläche. Bonville, ein Name also, den man sich unbedingt merken sollte. Eine Auszeichnung aber auch für den Blanc de Blancs von Billecart-Salmon: Ein sehr weiniger Champagner-Typ, ein Champagner zum Essen.

« zurück zur Übersicht 'Champagne-Forum'