DIE DRITTE DEGUSTATION: BRUT OHNE JAHRGANG - AYALA, BEAUMET, JACQUESSON, BRUNO PAILLARD

Vier Weinfreunde sich zusammengetan, um die ganze Vielfalt der Champagne-Weine zu entdecken. Das Gremium, das sich natürlich wieder zum Frühlingsbeginn zu einer weiteren Degustation traf: Wieder einmal stand der Brut ohne Jahrgang im Kreuzfeuer der geschmacklichen Sensorik, und wieder einmal gab es, wie nicht anders zu erwarten, eine lebhafte Diskussion. Und so empfehlen wir jeden Wein-Liebhaber, diese Degustation einmal zu Hause nachzuspielen. Ein paar Freunde und einige Flaschen sind alles, was man dazu benötigt.

Das Gremium bestehend aus Peter Niepagenkemper, Oliver Dannecker, Hartmut Schröter und Christian Göldenboog degustierte - wie immer blind - folgende vier Champagne-Weine:

  • CUVÉE BRUT CHAMPAGNE AYALA
  • CUVÉE BRUT CHAMPAGNE BEAUMET
  • CUVÉE no 728 CHAMPAGNE JACQUESSON
  • BRUT PREMIÈRE CUVÉE CHAMPAGNE BRUNO PAILLARD

1. CUVÉE BRUT CHAMPAGNE BEAUMET
2. CUVÉE BRUT CHAMPAGNE AYALA

Beaumet ist ein 1878 in Epernay gegründetes Haus, Jahresproduktion zwei Millionen Flaschen, das kürzlich von der Gruppe Laurent-Perrier übernommen wurde. Der Brut kommt in einem erstaunlich sattem Gelb daher: „Schwierig, diese kräftige Farbe mit einem jahrgangslosen Champagner zu assoziieren", ruft spontan ein Tester aus. In der Nase eher verschlossen, weist sich dieser kräftige Bursche als ein strenger Champagne-Wein aus: Hier gibt es wenig zu lachen, komplizierte Mandel- und Bittertöne dominieren im Gaumen, eine rustikale Säure verstärkt den hermetischen Abgang. Wir sind erstaunt und riechen am zweiten Wein: Champagne Ayala mit Wohnsitz im imposanten Château de Mareuil in dem für seine roten Trauben berühmten Winzerstädtchen Ay produziert jährlich knapp 600.000 Flaschen. Und tatsächlich: Schon seine rötlich-transparente Farbe lässt auf einen weiteren kräftigen Wein schließen: Der toastigen Nase folgt ein starker, fast schwerer Wein mit der Fruchtigkeit roter Waldbeeren. „Bei beiden Weinen darf man getrost die Dominanz der Chardonnay-Traube ausschließen", analysiert ein Gremiumsmitglied völlig richtig, während ein anderes hinzufügt: „Das Auftauchen der Perlen bei diesen beiden Weinen pro Quadratzentimeter pro Zeiteinheit lässt die statistische  Wahrscheinlichkeit der Begegnung mit zwei seltenen Vögeln potenzhaft in die Höhe schnellen."

„Dies ist eine recht intellektuelle Verkostung", ist die allgemeine Einschätzung, die auch für die  beiden folgenden Weine zutreffen soll. Man braucht Zeit, um sich an diese Weine zu gewöhnen.

3. CUVÉE no 728 CHAMPAGNE JACQUESSON
4. BRUT PREMIÈRE CUVÉE CHAMPAGNE BRUNO PAILLARD

Jacquesson, das kleine Haus aus Dizy bei Epernay, ist bei Weinfreunden auch wegen der sympathischen Firmeninhaber Laurent und Jean-Hervé Chiquet bekannt. Hier wurde erstmals die neue Cuvée degustiert: Eigentlich kaum zu glauben, aber die Farbe dieses Weines war noch kräftiger als die seiner beiden Vorgänger. Tiefes Gelb, Rottöne, sehr farbintensiv. Diese Einschätzung verlängerte sich in Nase und Gaumen: Herzliche Röstaromen, Bittertöne, ein wuchtiger Wein im Gaumen mit der Dominanz der roten Trauben. „Kaum vorstellbar, dass dies ein Brut ohne Jahrgang sein soll", kommentiert ein Tester. Die anderen denken sofort an einen Jahrgangschampagner. Tatsächlich steckt hinter diesem Wein eine außergewöhnliche Konzeption: Ab sofort strebt Jacquesson nicht mehr einen einheitlichen, geschmacklich über die Jahre identischen Brut ohne Jahrgang an, sondern es wird jeweils eine optimale Cuvée für jedes Jahr anvisiert. Mit anderen Worten: Jedes Jahr macht der Kellermeister eine unterschiedliche Assemblage aus dem ihm zur Verfügung stehenden Weinen. Komponiert wurde die Cuvée 728 zu 80 Prozent aus Weinen der Ernten 1999 und 2000. Heraus kam ein Champagne-Wein,  mit dem man die Glockentürme der Protestanten zum Schweigen bringen könnte. Allerdings steckt hinter diesem kräftigen Dizy-Burschen eine erklärungsbedürftige Konzeption, und ein Gremiumsmitglied bemerkte, dass es letztlich schwer vorstellbar sei, ob der deutsche Importeur von Jacquesson diese seinem erstaunten Publikum überhaupt erklären könne.

Nach drei kräftigen Champagne-Weinen, in denen jeweils die Dominanz roter Trauben eindeutig war, hatte es unser vierter Begleiter aus dem Hause Bruno Paillard sehr schwer: In der Farbe ein kräftiges Blassgelb, entpuppte sich dieser Champagner als sehr trinkfreudig. Alle Tester erfreuten sich an seiner schäumenden Eröffnung, die in einer schönen und  klaren Ausgewogenheit mündete. Eine bemerkenswert harmonische Cuvée aus den drei Rebsorten der Champagne. „Diesen Champagner hätten wir zuerst degustieren müssen", sagte ein Gremiumsmitglied leicht verzweifelt. Aber dies ist Schicksal aller Tester bei Blinddegustationen. Beim Wärmerwerden im Glas verriet dieser Champagner eine schöne Länge mit einem charmanten Finale aus weißen Blüten und buttrigen Röstnoten. „Dieser Wein muß unbedingt noch mal unabhängig degustiert werden", erklärte ein Gremiumsmitglied. Dieser Meinung schlossen sich alle anschließen.

 Fazit: Eine komplizierte Veranstaltung ging mit einem Gericht nach einem Geheimrezept zu Ende, zu dem natürlich die ersten drei Champagner, vor allem aber der Jacquesson passte. Auffallend positiv die sehr geringe Dosage aller degustierten Weine.  

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