DIE ZWEITE VERKOSTUNG JANUAR 2004: BLANC DE NOIRS - DE VENOGE, DUVAL LEROY, MAILLY GRAND CRU, POMMERY

Wer einen Champagner trinkt, muss wissen, zu welcher Gelegenheit. Und wir vom CHAMPAGNE-GREMIUM sagen: Im Herbst und Winter, dann, wenn draußen die Temperaturen sich um den Gefrierpunkt einpendeln und man es sich drinnen gemütlich macht, dann ist es Zeit für einen kräftigen Champagner -  Zeit also für einen Blanc de Noirs. Außerdem ist ein Blanc de Noirs der ideale Begleiter für jene Speisen, die man im Winter so gerne selber ißt: Schweinebraten, ein kräftiges Steak in Rotweinsauce oder gar eine kroß gebratene Gans.

Was ist ein Blanc de Noirs?
Eine Besonderheit. Im Allgemeinen ist der Champagner-Wein eine Cuvée, eine Assemblage aus verschiedenen Rebsorten, Lagen und Jahrgängen. Unverzichtbar für diese Cuvée ist die weiße Chardonnay-Rebe, bringt sie doch Eleganz und Frische in den Wein. Ein Blanc de Noirs dagegen ist ein Wein nur aus roten Rebsorten, aber weiß gepreßt aus den Rebsorten Pinot Noir und Pinot Meunier. Und auch hier bestimmt natürlich der Kellermeister, welche Crus er für seine Cuvée nimmt und welche der beiden roten Rebsorten seinen Wein dominieren soll.

Wie und Warum trinkt man einen Blanc De Noirs?
Da ein Blanc de Noirs von Natur aus im allgemeinen kräftiger und damit expressiver als andere Brut Champagne ist, sollte er nicht zu kalt serviert werden. Gremiums-Tip: Im Glas ruhig etwas wärmer werden lassen und dann die roten Früchte und die Rundheit auf sich einwirken lassen. Blanc de Noirs sind nicht unbedingt Champagner, die für den Aperitif kreiert wurden; sie sollten nach einem Blanc de Blancs getrunken werden, vor allem aber zu einem Essen.

Das Champagne-Gremium sind:
Oliver Donnecker, Sommelier, Literaturhaus Frankfurt
Hartmut Schröter, Physiker und  Internist
Peter Niepagenkemper, Geschäftsführer SWN
Christian Göldenboog, Autor, u.a. „Champagner", „Das Loch im Walfisch".

Wie immer wurden vier Champagner degustiert; blind, also in vorher nicht festgelegter Reihenfolge. Es handelte sich dabei jeweils um einen Brut ohne Jahrgang der Häuser DE VENOGE, DUVAL LEROY, POMMERY sowie der Winzergenossenschaft MAILLY GRAND CRU. 

Ausgewählt wurden diese Weine von Christian Göldenboog, um sich so einen ersten Überblick über die Qualität der Blanc de Noirs'  zu verschaffen; alle anderen Teilnehmer kannten die Namen der Champagner-Marken nicht. 

Warum nur vier Champagner?
Jeder Kellermeister in der Champagne kennt die hohen Säuregrade dieses Weines und die damit verbundene Schwierigkeit, mehr als sechs Champagner zu degustieren. Außerdem ist Champagner ein seriöser Wein, der keine schnelle Abwicklung verträgt.

Das Motto
Die Verkostung stand unter dem Motto: Auf der Suche nach einem kräftigen Champagner als Begleiter zum Essen.

Die Gläser
Das ideale Champagner-Glas ist Bauhaus-einfach, tulpenförmig, nach oben leicht enger werdend, damit sich die Aromen im Glas halten. Verboten sind Sektschalen oder neumodische Schnick-Schnack-Gläser mit dicken goldenen Rändern, wird doch in ersteren der Champagner schnell schal, in den zweiten verliert er auf der Zunge seine Eleganz.

Das Gremium degustierte an diesem Abend aus einem Weißwein-Glas von Riedel. Jedes Mitglied hatte vier Gläser.

Die Degustation

Die ersten beiden Champagner werden blind gegeneinander degustiert:

Nr. 1:   BRUT VEGETARIAN & VEGAN von CHAMPAGNE DUVAL LEROY (Vertus)
Nr. 2:   BRUT BLANC DE NOIRS von CHAMPAGNE DE VENOGE  (Epernay)

Anhaltpunkte für Geschmacksnuancen beim Aussehen, Geruch und Gaumen liefert das Profi- Degustationsset „Ein Leitfaden zur Champagne-Verkostung" des Champagne Gesamtverbandes. 

Nr. 1: BRUT VEGETARIAN & VEGAN von CHAMPAGNE DUVAL LEROY
Strohgelbe bis goldene Farbe im Aussehen, in der Nase Duft nach reifen Brioche - ein dominanter Duft, den man gerne aus dem Glas aufnimmt. Im Gaumen kräftig und von bemerkenswerter Fülle, gleichzeitig ist auf der Zunge eine Säure zu verspüren, die man bei der kräftigen Nase nicht unbedingt erwarten würde. Frisch, aber würzig und toastig. „Dies ist der Prototyp eines starken Champagners", sagt ein Gremiums-Mitglied, und die anderen stimmen ihm spontan zu.

Nr. 2: BRUT BLANC DE NOIRS von CHAMPAGNE DE VENOGE 
In der Nase schwer zu charakterisieren, eher neutral wirkend, entwickelt dieser Wein im Gaumen zur Überraschung leichte Zitronentöne. Dieser Champagner ist schwer einzuschätzen, ein eher stillerer Typ. „Paßt vielleicht  gut zu Fisch", sagt ein Tester, während die anderen ihre Vorliebe für Nr. 1 nicht verheimlichen können.

Die Diskussion dieser beiden Champagne war relativ schnell beendet:
Nr. 1 wurde praktisch von allen favorisiert, während Nr.2 im Glas schwerwiegende Ermüdungserscheinungen zeigte.

Es folgten die beiden nächsten Champagner: 

Nr. 3 GRAND CRU BLANC DE NOIRS VON CHAMPAGNE MAILLY
Farblich dominiert ein intensives Goldgelb, das schon eher in das rötlich und orangenfarbig hineingeht. Jubel unter den Gremiumsmitglieder: „Jetzt ist endgültig der Winter angebrochen!" Markantes Unterholz in der Nase, im Gaumen  elegant, geschmeidig, rund im Abgang. Vor allem beeindruckte alle die perfekte Abrundung dieses Champagner: Kompliment von allen Gremiumsmitgliedern an den Kellermeister für eine perfekt Arbeit.

Nr. 4 BLANC DE NOIRS „WINTERTIME" VON CHAMPAGNE POMMERY
Strohgoldene Farbe, wie der Vorgänger eine wuchtige Nase im Glas. Im Gaumen finden sich feine Erdbeeren, delikate rote Früchte, aber auch an Mandeln erinnernde Bitternoten. Überzeugend eine mineralische Säure, die alle überzeugte: Hier haben wir es mit einem kräftigen Wein zu tun, dessen  Champagnercharakter aber stets zu spüren ist. Bemerkenswert langer Abgang, indem man neben Mandeln auch Pampelmuse schmeckt. „Ein sehr raffinierter Champagner", sagt ein Gremiumsmitglied, und findet dabei nur Zustimmung.

Fazit
Anschließend wurde das Geheimnis um die vier Weine und deren Reihenfolge gelüftet: „Drei derartige Champagner bekommt man nicht alle Tage", lautete das Resümee eines Gremiums-Mitgliedes, dem sich alle anschließen. Tatsächlich kann man jedem Weinliebhaber nur empfehlen, diese Degustation mit den Champagnern von Duval-Leroy, Mailly und Pommery zu imitieren. Es ist ganz einfach, man benötigte nur die Weine und einige Gläser. Vor allem wurde schon fast euphorisch gelobt, daß man es hier mit drei völlig unterschiedlichen Typen von Champagner zu tun hatte, und Qualitäten im Glas waren, die von keinem Sekt erreicht werden. Es tauchte die Frage auf, was mit dem Blanc des Noirs von de Venoge war und prompt erwies sich eine Inspektion der Korken als Rätsels Lösung: Während die anderen drei Champagner all einen wohlgeformten Korken hatte, der erkennen ließ, dass die Flaschen erst kürzlich degorgiert wurden, war der Hals des De-Venoge-Korkens völlig geschrumpft: Zeichen dafür, dass dieser Champagner vor sechs oder sieben, wenn nicht gar vor mehr Jahre degorgiert wurde. Es wurde eine zweite Flasche geöffnet, die aber dieselbe Problematik aufwies.

 

 

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